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Jahre verbrachte Ludwig in
Pfronten und hatte viele der-
artige Wiesen zu mähen, wozu er
immer gut geschärfte Sensen
brauchte, nachdem er beim Vater
in die häusliche Lehre“ gegangen
war.
Ein Knochenjob
Bis 1960 mähte man in der
Grünlandwirtschaft nur mit der
Sense; die Mähmaschinen kamen
dann später in Mode, anfangs mit
Ochsen davor gespannt“. Riefer
erinnert sich gut an den harten Job:
Man musste das Werkzeug gut
dengeln können. Wenn man das
kann, dann schneided es gut, und
wenn’s gut schneidet, dann macht
es umso mehr Spaß“. Bekäme der
Legauer Bauer heute einerseits eine
Sense, andererseits einen elektri-
schen Mäher zur Aus-wahl, würde
er „sofort zur Sense greifen, denn
damit arbeitet man viel gleichmä-
ßiger und angenehmer“. „Ich werf
doch lieber meine Mähmaschine
an“, entgegnet der Sohn und
Jungbauer Norbert Riefer lächelnd,
denn die Fähigkeit des Dengelns
einer Sense hat er bis heute nicht
verinnerlicht.
Auch die Schnitter des Getreides,
die noch ohne Mähdrescher vor lan-
ger Zeit mit Sensen auf den Feldern
zu Werke gingen, hatten täglich
mehrmals ihre Sensenblätter zu
schärfen oder ließen das von einem
handwerklich begabten Dengler
erledigen.
Längst ist das Schärfen der
Sense mittels gezielter Hammer-
schläge für mich zum Hobby
geworden, denn nur noch wenige
arbeiten mit einem geschärften
Handgerät“, verrät Riefer.
Wer den Geheimnissen des
Dengelns auf die Spur kommen
möchte, muss sich auf Riefers Hof
in Legau begeben oder kann den
Senior Ludwig anlässlich von
Handwerkertagen etwa in Iller-
beuren oder anderen Freilichtmu-
seen aufsuchen.
Verwundert ist immer nur der
Sohn Norbert, wenn Vater sein
Geschick dort vorführt und Erstau-
nen erntet oder falls daheim gar ein
Nachbar um fachmännische Schär-
fung der Sense bittet, wenn ein
wenig Gras oder Brennnesseln zu
beseitigen sind.
Wenig Werkzeug
Viel Werkzeug gehört nicht
dazu, wenn gedengelt werden
muss, deshalb lässt sich das
Zubehör auch bequem herrichten
und vor Ort rasch auf- und wieder
abbauen. Die typische Sense, beste-
hend aus dem mit dem Griff verse-
henen Sensenbaum und dem Sen-
senblatt, lehnt an der Hofwand.
Der speziell geformte, nur etwa ein
halbes Kilo wiegende Hammer
sowie die kleine, im „Dengelstock“
mit Sitz fest verankerte „Bisse“,
dem Amboss eines Schmiedes ver-
gleichbar, stellen die unbedingt
erforderlichen Gerätschaften für
das Dengeln dar.
Hinzu kommt noch die „Dengel-
geiß“, ein in Abständen mit Nägeln
gespickter Holzpfahl, der zur immer
wieder in der Höhe wechselnden
Abstützung des Sensenbaumes
während der Schärfung des „Blat-
tes“ auf der Bisse dient.
Die Nägel symbolisieren Hörner
einer Ziege, woraus sich die lustige
Bezeichnung des Holzständers er-
klären lässt“, wie der Betrachter
während der Arbeit erfährt.
Was der Begriff „Dengeln“
eigentlich beinhaltet, wird kurz und
bündig definiert: Es handelt sich
um „ein Verfahren zum Schärfen
einer Sensen- oder Sichelschneide“.
Gezielt, zugleich aber auch sehr
sorgfältig, wird mit einem speziell
geformten Dengelhammer das
Sensenblatt Schlag für Schlag „in
einem schmalen Streifen entlang
der Schneidkante der Sense ausge-
zogen, verdünnt und somit ge-
schärft“.
Der Worb (Sensenbaum) ruht
währenddessen „zwischen den
Hörnern der Dengelgeiß“, wodurch
Der Sensenbaum ruht
während des Dengelns auf
der Dengelgeiß und kann
in der Höhe verändert werden.
Ein Dengelbock mit Bisse
(
Metallstück) und
speziellem Dengelhammer