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ie Werkstatt des „Hummel-
baur“ wurde 1839 von Franz
Xaver Zweng als Schlosser- und
Schellenschmiede in der „Heilter
Ob“ in Pfronten gebaut. Trenkles
Vater fertigte als Nachfolger erst-
mals eine Schelle aus dem Stahl
von Sägeblättern der Holzindustrie
an. Ihr Klang war unverwechselbar,
die Schwingung trug den Ton deut-
lich weiter als bis dahin gebräuchli-
che Geläute, die für Hirten auf den
Alpen eine große Erleichterung bei
der täglichen Überwachung des
ihnen anvertrauten Alpviehs waren.
Der Virus des Schellenschmie-
dens wirkt weiter bis in die heutige
Zeit“, erzählt Trenkle, „immer noch
werden hier am gleichen Ort Schel-
len repariert und zu besonderen
Anlässen wie Geburtstagen oder
Hochzeiten auch als größere Ex-
emplare neu geschmiedet, unver-
ändert aber aus Sägeblättern“.
In seiner weiträumigen Werk-
statt gingen früher zehn Schlosser
ihrem abwechslungsreichen Tag-
werk nach. Übrig geblieben ist nur
Philipp Trenkle, der als einer der
letzten seiner Zunft in erster Linie
noch aus Liebhaberei der Schellen-
herstellung nachgeht. Sein Grund-
satz lautet: „Ich pflege dieses Hobby
zur Erhaltung der fast vergessenen
Tradition des Schellenmachens, was
mir sehr am Herzen liegt.“
Stolz des Bauern
Trenkles Fertigkeiten beim
Schellenschmieden haben sich na-
türlich herumgesprochen und lo-
cken immer wieder Neugierige an,
die ihm bei der Arbeit, während der
Freizeit oder „im Herbst zur Vieh-
scheid“ über die Schulter schauen
wollen. Bis die Glut in der Esse lang-
sam 1800 Grad erreicht, plaudert
Trenkle dann gern über Wissens-
wertes vom Brauchtum, von
Glocken und Schellen, die schon vor
3000
Jahren in Asien ihren Ur-
sprung hatten, und schließlich über
die gegenwärtige Tätigkeit am
Schmiedefeuer selbst.
BeimHerdengeläut unterschied
man schon immer zwischen bron-
zegegossenen Glocken für Kühe
und eisengeschmiedeten Schellen
ebenfalls für Kühe, aber auch Käl-
ber und Geißen“, erfährt man bei-
spielsweise. Schellen als haupt-
sächliches Viehgeläut und die dazu
gehörigen oft kunstvoll mit „Orna-
menten des Segens, der Abwehr
Herr über das Schmiedefeuer“
in der versteckt „beim Hummelbaur“ liegenden,
urtümlich anmutenden, innen recht dunklen
Pfrontener Kunstschlosserei ist Philipp Trenkle.
Jeder, der wie ich mit meiner Frau im angrenzenden
Haus Hummelbaur“ wohnt, wird automatisch
mit diesem Ursprungsnamen belegt“,
meint Trenkle schmunzelnd, der aber nicht
etwa mit einem Bauern zu verwechseln ist,
obwohl sich Ziegen, Hasen und Schafe
im Garten tummeln.
Die Schellenschmiede wurde 1839 erbaut
Bild links: Sägeblätter der Holzindustrie aus Stahl geben der Schelle
einen unverwechselbaren Klang. Bild oben: Schellenhälften werden
bei 1800 Grad zum Glühen gebracht